Weihnachtstypen

Die meisten Menschen in meinem Umfeld feiern auf die eine oder andere Art Weihnachten. So mit Baum und Geschenken, meine ich. Eventuell auch Kirche (und mein unausgesprochener Dank gilt all jenen, die nicht plötzlich am Heiligen Abend in die Kirche rammeln, obwohl sie sonst das ganze Jahr über keinen Fuß hineinzusetzen wagen; aber das ist eine andere Geschichte). Spannend zu beobachten ist aber nicht nur das Weihnachtsfest an sich, sondern auch die Wochen davor, wenn nämlich plötzlich das Große Grübeln losgeht.

Man könnte, wenn man denn wollte, die Weihnachtseinkäufer in verschiedene Kategorien einteilen, aber Menschen in Schubladen zu stecken ist immer ein bisschen doof, also versuchen wir es mit Typen (das sind mehr so die offenen Regalfächer unter den Schubladen).

Typ Eins ist zum Beispiel meine Tante Laura. (Wenn Sie mich inzwischen ein bisschen kennen, wissen Sie, dass ich keine solche Tante habe, aber so ungern echte Personen im Internet benenne.) Tante Laura fängt ungefähr Ende Oktober an, sich Gedanken zu machen, was sie dieses Jahr wem schenken möchte. Dabei hat sie eine Menge kreative Kraft, scheut sich aber nicht davor, im Zweifel ein absicherndes Gespräch mit dem Zu-Beschenkenden zu führen. Das tolle daran ist, dass man bis Ende Dezember eventuell wieder vergessen hat, was man von Tante Laura bekommen wird. Fernab von hektischen Kaufhäusern stöbert Tante Laura sowohl auf Versandhausriese Nil (der Fluss … Sie verstehen schon) als auch in kleineren Läden, die sich auf Öl, auf Holzspielzeug, auf Bio-Kleidung oder Was-weiß-denn-ich spezialisiert haben.

Typ Zwei ist entweder armer Student, gutmütige Großmutter oder handwerklich besonders begabt (naja, oder zumindest interessiert) und fertigt die Weihnachtsgeschenke grundsätzlich selbst an. Alle. Egal, ob warme Handschuhe oder Schlüsselbrett. Egal, ob mit Talent oder ohne. Diesen Typ gibt es in „Extrem“, der fängt im Sommer an, oder in „Begleitend“, dazu zähle ich mich selbst. Zum Beispiel schenke ich meiner Oma traditionell zu Weihnachten einen Kalender fürs nächste Jahr. Die ersten Exemplare sind noch aus Tonpapier entstanden, mit aufgeklebten Fotos, gepressten Laubblättern, gemalten Bildern oder was immer mir grad einfiel. Im Laufe der Zeit wurde ich pfiffiger: irgendwann verwendete ich nur noch Familienfotos, statt irgendwelche nichtssagenden Bilder von Schneemännern und Blumen zu malen, dann wurden diese Bilder auch noch aktuell (inzwischen sind es immer Schnappschüsse aus dem jeweils vergangenen Jahr). Außerdem erstelle ich das Kalendarium seit einigen Jahren im Computer, statt es mit der Hand aufzuschreiben, und lasse die ganze Sache im Copyshop schön drucken und mit einer Ringbindung versehen. Kein Vergleich mehr zu dem ersten Kalender, den meine Oma aber immer noch in einer Schublade aufbewahrt. Traditionen sind was tolles.

Genug von mir, kommen wir zu Typ Drei: der Dezember-Typ. Dazu zählt zum Beispiel Liam, ein Verwandter von mir. Wenn man den Mitte November fragt, ob er sich an einem Geschenk beteiligen möchte, bekommt man unweigerlich zur Antwort: »Weihnachten? So weit bin ich noch gar nicht!« Trotzdem schafft er es irgendwie, pünktlich alle Geschenke beisammen zu haben, ohne in panischer Hast Wunschlisten abzuarbeiten.

Ähnlich verhält es sich bei Typ Vier, dem Kaufhaus-Chaoten. Der fängt auch erst im Dezember an, stürmt dabei mit einer Horde Gleichgesinnter durch die Kaufhäuser und schimpft auf sich selbst, dass er wieder einmal zu spät anfängt und es nächstes Jahr ganz gewiss so macht wie Typ Eins. Der Kaufhaus-Chaot hat den wenigsten Spaß am Beschenken, weil Einkaufen am Samstag vor dem dritten Advent einfach stressig sein muss.

Zuletzt bleibt uns der häufig kritisch betrachtete Typ Fünf: der Goldesel. Meistens findet sich dieser Typus in der höheren Verwandtschaft, also Eltern, Großeltern oder Tanten und Onkel. Wie Sie vermutlich schon ahnen, glänzt dieser Schenkende mit Bargeld oder einer üppigen Überweisung, sei es als Anzahlung für eine größere Anschaffung oder einfach als Kauf-dir-davon-was-du-willst. Und auch dieser Typ hat seine Berechtigung: Geld allein macht nicht glücklich, wissen wir, aber wenn der Kühlschrank hinüber ist, wird man mit einem neuen Paar Socken auch nicht froh.

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