American Psycho

Es ist einer der Klassiker amerikanischer Literatur, ein vielgelobtes Werk, ein unausgesprochenes Muss. Auf der Buchrückseite sind Lobesworte mehr oder weniger eindrucksvoller Namen abgedruckt: Elke Heidenreich, Hubert Winkels von der Frankfurter Rundschau, Joan Didion (eine amerikanische Journalistin, die u.a. für  The New Yorker Review of Books schreibt). Letzte merkt an, der Autor weigere sich, die Spielregeln zuhalten.

American Psycho

Originaltitel – American Psycho

Autor – Bret Easton Ellis

Originalsprache – Englisch

Übersetzer – Clara Drechsler & Harald Hellmann

Erscheinungsjahr – 1991

Seiten – 549

Verlag – Kiepenheuer & Witsch

Und das ist es, was American Psycho gut charakterisiert. Es ist fern jeder Norm, gleichzeitig großartig und furchtbar schlecht geschrieben.

Patrick Bateman ist ein hohes Tier der Wall Street, ein Mann mit teuren Anzügen, einer Vorliebe für luxuriöses Essen, jede Menge Geld und der Angewohnheit, nachts als Serienkiller tätig zu sein. Ellis beschreibt eindrucksvoll verschiedene Gewalttaten und die Motivation dahinter, eingebettet in banalste Eindrücke des täglichen Lebens. Am eindrücklichsten im Gedächtnis bleibt mir die ellenlange Beschreibung der Kleidung – da wird detailverliebt aufgezählt, wer was für einen Anzug von welcher Marke trägt, welche Schuhe, Krawatte, Kleid, Ohrringe … Die Gespräche drehen sich um die Frage, zu welchem Hemd man Hosenträger tragen dürfe, wer am Tisch gegenüber sitzt (und da alle irgendwie gleich sind, verwechselt man sich mit erschreckender Beiläufigkeit).

Das Buch liest sich ungemein anstrengend, was vor allem an der Aufzählung all der Banalitäten liegt. Darin liegt ja gerade Ellis Genie: die ständige Wiederholung und das gnadenlose Aufzeigen der Realität liefern ein ungemein realistisches Bild, sowohl von der Oberflächlichkeit der Figuren, als auch von Batemans Gewaltexzessen.

Nun ist es ja immer etwas gewagt, solche Bücher als Laie zu kritisieren, aber ich bin der Auffassung, man kann das, was Ellis hier tut, auch kunstvoller gestalten. Irgendwann langweilen die Markennamen, die man als Normalverbraucher nicht einmal immer zuordnen kann, und die spannende Handlung vermag dieses Manko kaum noch auszugleichen. Erst gegen Ende des Buches wird es etwas besser, aber bis dahin hält nur ein hartnäckiger Leser durch, der sich fest vorgenommen hat, auf jeden Fall bis zum Schluss durchzukommen.

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