Dem Schwachsinn verpflichtet

Jedes Jahr lockt das Internet mit neuen spannenden Ideen, wie sich ahnungslose Nutzer aufs Glatteis führen lassen. Da werden Läden geschlossen, Kostenvoranschläge geprobt, Preisverleihungen abgesagt, Karrieren beendet – alles nur, um am späten Nachmittag oder Abend ein fröhliches April, April! hinausposaunen zu können. Was ich davon halte, brauche ich Ihnen nicht zu verraten.

Irgendwann im Laufe des Vormittags kam mir der Gedanke, dass Aprilscherze in der Literatur so gar keine Rolle spielen. Ich kann mich nicht einmal an ein Buch erinnern, dass sich das Was wäre, wenn ein Aprilscherz ausufert zum Thema genommen hätte. Dabei käme diese Albernheit in manchen Büchern sicher sehr komisch …

J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe

Frodo, der zu Gandalf geht und sagt: »Du, Gandalf, ich glaube Sam hat heute Nacht den Ring gegessen …«

»Was?!«

»Ha, ha, verarscht! Frühjahrsmonat, Frühjahrsmonat!«

Und Gandalf, der Frodo daraufhin in eine Kröte verwandelt.

J.K. Rowling: Harry Potter

Hermine: »Harry, Harry, es gibt Neuigkeiten! Voldemort ist beim Versuch, die Welt der Muggel zu erkunden, am Bahnsteig 9 ¾ vom Zug überfahren worden!«

Harry: »Was?! Das kann doch nicht wahr sein!«

Zwei Stunden lang panischen Informationen-Sammelns später …

Hermine: »Haha, Harry, war nur ein Scherz! Bist voll reingefallen!«

Und Harry, der Hermine daraufhin in eine Kröte verwandelt.

Michael Ende: Die unendliche Geschichte

Die Kindliche Kaiserin: »Bastian, du bist nun Teil unserer Welt. Du kannst nie mehr nach Hause zurückgehen.«

Bastian schwangt zwischen Betrübnis und verhaltener Freude. Er bringt kaum die Phantasie auf, die Welt der Kindlichen Kaiserin neu zu erschaffen. Viel später hört er ihre Stimme: »Hereingefallen, Bastian Balthasar Bux! Du musst doch zurück nach Hause, früher oder später!«

Und Bastian, der die Kindliche Kaiserin kraft seiner Phantasie in eine Kröte verwandelt.

Nun, so betrachtet ist es wahrscheinlich besser, den Aprilscherz aus der Literatur so fern wie möglich zu halten …

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2 Antworten auf “Dem Schwachsinn verpflichtet”

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