Familienbande

Wenn ich einen Charakter erstelle, gebe ich ihm einen Namen, ein ungefähres Alter, ungefähre Größe und Gewicht, all die typischen Äußerlichkeiten, mit denen man einen Menschen (oder den Angehörigen einer anderen Spezies) beschreiben kann.

Danach bekommt er eine Geschichte. Ein Leben. Dazu gehören Familie, Kindheitserinnerungen, besondere Erlebnisse, solches Zeug. Der Charakter muss Eltern (gehabt) haben, vielleicht auch Geschwister. Und hier kommen die Familienbande ins Spiel.

Oft haben die Helden den tragischen Tod ihrer Eltern zu beklagen, sind heimatlos oder von Rachegedanken zerfressen. Oder sie verlassen die Heimat, um Hilfe für Krankheit, gegen Bosheit oder anderes Übel zu finden. Mancher flüchtet vor der garstigen Stiefmutter, oder dem gewalttätigen Stiefvater.

Der langen Rede kurzer Sinn: Familie spielt mitunter eine wichtige Rolle. Ich will nicht schreiben immer, nicht oft noch meistens – aber manchmal … nun, ja.

Also, worauf wollte ich hinaus …?

Ach ja. Ihre Vorstellungskraft ist gefragt: Ein junger Mann, aus behütetem Elternhause, Bruder einer entzückenden kleinen Schwester, Herr eines niedlichen und treu ergebenen Hundes. Plötzlich kommt ein abgerissener Bursche daher, stellt sich breitbeinig in die Küche, wo die Familie gerade bei der abendlichen Suppe sitzt, und brummt: Junge, komm, die Welt braucht dich. Du bist der Auserwählte, dumme Fragen kannst du später stellen.

Nun raten Sie mal, was passieren wird: a) der Vater nimmt den Burschen am Kragen und wirft ihn vor die Tür, b) alle sind furchtbar aufgeregt, stellen viele Fragen, auf die es keine Antwort gibt und am Ende verabschiedet man sich tränenreich von dem jungen Mann, der nun mit den nötigsten Habseligkeiten ausgerüstet auf die große Reise geht. Sollte Variante a) eintreten, wird der junge Mann früher oder später seine eigene Entscheidung treffen – vielleicht die erste wichtige seines Lebens – und sich nachts klammheimlich davonschleichen.

(Variante c): Ein Unglück geschieht, bei dem seine Familie verletzt wird, daraufhin fühlt er sich verpflichtet, die Welt retten zu gehen – aber das ist jetzt mal irrelevant.)

Es läuft darauf hinaus, dass die Mutter ihren Sohn ziehen lässt. Bei all ihrer Fürsorge und Liebe wird sie seinem hehren Ziel doch nicht im Weg stehen wollen. Selbstbestimmung und Welt-retten sind wichtiger als Familienband.

Na, wenn das keine gute Nachricht ist.

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