Das Fahrrad

Gehen wir einmal davon aus, es gibt eine höhere Macht. Gleichgültig, ob man sie nun Gott, Allah oder sonst wie nennt. Auch die Frage der Selbstbestimmung wollen wir beiseitelegen (um sie nachher wieder aufzunehmen, denn sie lässt sich vom zu Behandelnden nicht trennen), um uns ganz auf nachfolgendes Bild zu konzentrieren, das ich vor einiger Zeit in den unendlichen Weiten des Internets gefunden habe:

Ich bat Gott um ein Fahrrad. Aber dann begriff ich, dass Gott so nicht funktioniert. Daher stahl ich ein Fahrrad und bat Gott um Vergebung.

In der Tat, Gott – wie ich die höhere Macht nennen will – wird kaum vom Himmel steigen und alle materiellen Wünsche erfüllen, ob man nun an einen teilhabenden Allmächtigen glaubt oder nicht. So funktioniert das einfach nicht, die Zeit der greifbaren Wunder ist vorbei. In der heutigen Zeit haben wir einen unsichtbaren, scheinbar teilnahmslosen Gott. Wasser ist Wasser und Wein ist Wein, so ist das.

Der Gott, den ich mir vorstelle, ist ein Gott der Liebe, Güte, Vergebung. Vor ihm sind alle Menschen gleich und darum vergibt er allen gleichermaßen. Er lächelt über die geringste Lüge, den dreistesten Diebstahl, den kaltblütigsten Mord.

So gesehen kann man sagen, Gott ist es nahezu gleichgültig, wie sich der Mensch im Leben verhält, denn am Ende stehen ja alle vor dem Höchsten Gericht und es wird ihnen vergeben. (Wie das möglich ist, wäre ein Thema für sich, daher die Kurzfassung: Der Friede Gottes ist höher als alle menschliche Vernunft.)

Rechtfertigt dieser Gedankengang das Stehlen eines Fahrrads, die vorsätzliche Schädigung eines anderen? Nach menschlichen Maßstäben sicher nicht, nach den göttlichen vielleicht schon? – Damit sind wir wieder bei der Selbstbestimmung. Geht man davon aus, dass Gott dem Menschen die Freiheit gibt, selbst in Gut und Böse zu unterscheiden (und nicht in Himmel und Hölle), so darf er sich dabei nach den Grundsätzen richten, die uns gegeben wurden: Du sollst nicht stehlen etwa. Und du sollst auch nicht morden, nicht begehren deines Nächsten Weib (also behalt deine Griffel bei dir, wenn die Frau dich nicht ausdrücklich um was anderes bittet) und du sollst auch nicht ehebrechen (also behalt deine Griffel bei dir, auch wenn die Frau dich einlädt, du aber verheiratet bist).

So gesehen ist Gott gar nicht so kompliziert.

Und das mit dem Fahrrad auch nicht.

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