Süßes oder Ketschup!

Alle Jahre wieder bekommt man Ende Oktober in den Läden das Gefühl, der Weltuntergang stünde kurz bevor. Jeder in der Stadt scheint gleichzeitig auf die Idee zu kommen, sich noch schnell übers Wochenende mit allem Erdenklichen eindecken zu wollen – darunter Schokolade, Gummibärchen, Milchschnitten, irgendwas, Hauptsache einzeln verpackt. Am frühen oder späten Abend (je nach elterlicher Anordnung) klingelt es dann der Tür – nun gut, an unserer eher weniger, denn die meisten Kinder scheinen keine Lust auf den vierten Stock zu haben (Dabei waren auch wir vorbereitet, wohlweislich aber in kleinem Rahmen).

Aber wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe.

Ich habe nichts dagegen, wenn sich Kinder als Hexen, Sandmännchen oder Spiderman verkleiden, prinzipiell finde ich diesen Ausbruch an Fantasie sogar unterstützenswert – auf jeden Fall gebe ich lieber einem Kind ein paar Süßigkeiten, dass sich ein tolles Kostüm geschustert hat, als einem gelangweilten Teenager mit Laken überm Kopf. (Wobei ich bei den zwei Mädchen, die an unserer Tür klingelten, dann doch eher das gekaufte oder geliehene Kostüm sah.) In den USA bewertet man meines Wissens mit der Menge an Süßigkeiten die Umsetzung der Verkleidung – hey, es hat zwar nichts mit dem eigentlichen Feiertag zu tun, und es ist auch kein besonders sinnvoller Brauch, aber jedem das seine. So sieht man wenigstens mal seine Nachbarn (wenn man sie denn sieht …).

Aber – ich sagte es schon – wehe, wehe, wenn ich auf das Ende und so weiter. Beim gestrigen Sonntagsspaziergang bemerkte ich an einigen Klingelschildern schlicht und ergreifend Ketschup.

Genau genommen ist das doch Verschmutzung öffentlichen Eigentums oder so was ähnliches, hä? Zumal man ja gar nicht weiß, wer in den betreffenden Wohnungen haust – vielleicht ja ein Mensch, der sich gerade mit Martin Luther auseinandersetzt. Außerdem läuft der Ketschup blöderweise vom obersten Klingelschild bis auf das unterste, obwohl der Mieter auf Etage drei vielleicht extra viele Süßigkeiten gekauft hat, wer weiß, wer weiß.

So richtig werde ich mich mit Halloween nie anfreunden können. Klar, kurbelt wahrscheinlich die Wirtschaft an, bietet den armen gestressten Eltern einen ruhigen Abend (wenigstens bis zum Essen und dem Zank um die Verteilung der Beute), macht den meisten Kindern irgendwie Spaß … Aber lernen tun sie daraus doch nur, dass ihnen ein blöder Spruch Schokoladentafeln einbringt und sie, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden, mit Lebensmitteln um sich werfen dürfen, die ihnen nicht schmecken.

Wenn Sie das nächste Mal Spinat in Ihrem Briefkasten finden, denken Sie an meine Worte!

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