Liebe ist komisch

Yo. Das könnte man jetzt so stehen lassen. Es trifft den Kern der Sache, ist leicht verständlich und bedarf kaum einer weiteren Erklärung, denn Sie wissen genau, was ich meine.

Na gut, ich will mal nicht so sein und erkläre Ihnen, wie ich zu dieser reizenden Aussage gelange. Es war ein kalter Herbstabend, nämlich gestern, und ich überdachte meine Beziehung. Nein, nein, keine Trennung, kein Streit, keine Diskussion, einfach nur ein Gedanke kurz vor dem Einschlafen. Und was dabei herauskam, war eben jene Überschrift: Liebe ist komisch.

Warum ist der Mensch dazu angetan, sich zu verlieben? Ich meine, sexuelle Reize würden doch für die Fortpflanzung vollkommen ausreichen. Was brauche ich Schmetterlinge im Bauch, ein Baby ist – evolutionär gesehen – viel sinniger. Liebe sorgt nur immer wieder für Verwirrung, unlogisches Handeln, Tränen (vor Lachen natürlich), Stottern und Herumgesülze.

Moment mal. Das ist ja perfekt – daraus lässt sich was basteln. Ein verliebter Geck handelt herrlich unlogisch, ist gar unberechenbar, für jeden Gebrauch geeignet. Man kann einen kitschigen Liebesroman kreieren, wenn man es gern pathetisch hat, oder einen spannenden Krimi, bei dem die oder der Angebetete gerettet werden muss – und man kann auch damit glänzen, eine Liebesgeschichte einfach außen vor zu lassen.

Scheint, als hätte Gott die Liebe extra für die Schriftsteller (und Musiker und Maler und alle anderen Künstler) geschaffen.

Im Übrigen schätze ich Romane, die ohne eine dramatische Beziehung auskommen. Ein bisschen Romantik gehört zweifelsohne zum Leben dazu (ganz zu schweigen von Sex – ehrlich, ich halte das für einen sehr wichtigen Bestandteil), und ein großes Epos kommt nicht ohne Liebe aus, schon gar nicht, wenn es eine große Menge Figuren gibt. Aber nicht immer muss MENSCH EINS auch unbedingt MENSCH ZWEI retten wollen. (Na, bin ich das Gender-Problem hier mal gekonnt umgangen?!) Nicht immer muss der Held alles andere verraten wollen, weil die Heldin in der Klemme steckt. Und das wichtigste – ein Happy End muss nicht bedeuten, dass die beiden Betroffenen sich bekommen. (Oh, ich weiß noch, wie ich bei Cornelia Funkes Tindentod geflucht habe, aber im Grunde meines Herzens mag ich ihre Auflösung der Dinge sehr.)

Ah, noch eine wichtige Eigenheit der komischen Liebe ist, dass Liebe nicht immer gleich Sex ist – und umgekehrt. In diesem Zusammenhang fällt die Liebe übrigens in die Kategorie der Dinge, die in manchen Romanen irgendwie fehlen – warum haben die Männer auf ihrer monatelangen Reise nie das Bedürfnis, sich mal sexuell auszuleben oder wenigstens selbst zu befriedigen – wo das für viele Männer und Frauen doch (gleichermaßen) wichtig ist. Andersrum wird es mit den Liebesbezeugungen auch gern übertrieben, aber das ist vielleicht eher ein Film-, denn ein Buch-Problem. Lobend erwähnen könnte man hier Kings Dunklen Turm, in dem das Paar wenigstens tatsächlich regelmäßig Sex hat.

Und noch etwas: Warum ist Liebe immer stärker?

Weil sie komisch ist. Deshalb. Punkt, Aus, Ende.

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2 Antworten auf “Liebe ist komisch”

  1. Ui jaja, die Liebe und gerade die Liebe in Büchern. Mich stört es manchmal, dass so viele Bücher nichts weiter als eine Liebesgeschichte sind, die je nach Genre passend angezogen ist. Der Krimi endet nicht, wenn der Mord aufgeklärt ist, sondern wenn die Liebenden sich gefunden haben und so weiter… . Dabei kann es so schön sein, einfach mal eine Geschichte zu haben, in der sich keiner verliebt, oder in denen einfach Mal ein Pärchen auftaucht, dass schon länger zusammen ist. Ja, die Liebe ist komisch. Bücher sind es auch

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    1. Geschichte, in der sich keiner verliebt – check.
      Geschichte mit langjährigem Pärchen – ähh … hm … nee, sowas hab ich tatsächlich auch noch nicht ausprobiert. Oh je, da werd ich mir wohl bald was einfallen lassen, und dann komm ich wieder nicht mit dem voran, was eigentlich grad dran ist.
      Liebe komisch, Bücher komisch, Schriftsteller auch sehr, sehr komisch.

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