Grippe und andere unangenehme Erscheinungen

Aufgrund der Tatsache, dass ich mich aktuell mit einer Erkältung herumschlage und ergo sowieso nicht viel zu tun habe, gingen meine Gedanken in eine altbekannte Richtung – Das Schreiben Und Die Grippe.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass der Hauptheld einfach nie zwei Tage vor dem Finale mit vierzig Fieber ans Bett gefesselt wird, wenn es nicht gerade nötig für den Showdown ist? Bestimmt. Und wundersamerweise müssen Romanhelden auch nahezu nie auf Klo. Und wenn mal doch – nun, also bei King weißt der nächtliche Toilettengang meist auf ein extremes Geschehen oder einen unerwarteten Gedankengang hin. Dabei kann das Thema zu ausgesprochen interessanten Fragen führen.

Nehmen wir einmal Tolkien: Solange sich die Gefährten in Kähnen auf dem Fluss befinden, haben sie da einfach in denselben gepinkelt? Oder sind sie alle halbe Stunde ans Ufer gefahren, weil einfach ständig jemand mal musste?

Oder bei Jules Vernes erstem Roman Fünf Wochen im Ballon: Haben die drei würdigen Forscher einfach aus der Gondel auf den Boden gekotet? Diese Frage hat mich beim Lesen ernsthaft beschäftigt. Hatten sie einen Eimer, oder was? Und müssten die damaligen Schamgrenzen nicht ausgeprägt genug gewesen sein, um den Toilettengang in einer vier Quadratmeter großen Gondel zu einem echten Problem zu machen?

Okay, es wäre ja in der Tat meistens langweilig, wenn man eine spannende Erzählung ständig unterbrechen würde, nur um zu sagen: Hey, und dann hielten sie fünf Minuten inne und Georg verschwand mal eben hinter einem Busch.

Aber das Thema ist ja zum Glück nicht nur auf den Harndrang beschränkt. Romanhelden verderben sich auch nie den Magen. Sie haben keine handlungsirrelevanten Erektionsstörungen. Sie bekommen keinen Durchfall. Die Damenwelt hat selten mit ihren Blutungen zu kämpfen (und wenn, dann meist nur, um später auf das Fehlen selbiger hinweisen zu können). In vielen Jugendbüchern spielen Hausaufgaben keine große Rolle (selbst wenn die Schule explizit wichtig ist).

Der Wissenschaftler in mir verweist nun auf die Fiktion der wahrscheinlichen Realität und die Künstlerische Freiheit und wer weiß was noch, aber der Schriftsteller in mir sagt – Ey, warum müssen die nie auf Klo?! Warum muss der Fiese Fippo nicht während des letzten Treffens Niesen und ballert deshalb daneben? Warum hat sich der gute Sam beim seinem verzweifelten Versuch, Frodo durch den Fluss zu folgen, nicht wenigstens eine Erkältung geholt?

Fragen über Fragen – aber besser machen mag man es dann irgendwie auch nicht.

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2 Antworten auf “Grippe und andere unangenehme Erscheinungen”

  1. Wer hat darüber noch nicht nachgedacht 😀 Vor allem ja auch im Bezug auf Filme.

    Ich bin allerdings zu der Erkenntnis gekommen, dass es mich wahrscheinlich stören würde, wenn die Helden (und Nebencharaktere) der Geschichte alle paar Seiten auf Toilette gehen würden oder seitenlang beschrieben wäre, wie sie krank im Bett liegen würden.
    Es wird ja auch selten und wenn dann nur ein-zwei mal eine Mahlzeit erwähnt. Diese kann allerdings auch gut nebenbei hergerichtet oder eingenommen werden. Beim Toilettengang würde die Person ja entweder für fünf Minuten aus der Geschichte verschwinden oder es würde genau beschrieben werden, wie diese Person den Toilettengang erlebt.
    Ich halte beides für ungeeignet^^

    Wie würdest du es handhaben, wenn du solch eine Situation einbauen würdest?

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    1. Wenn ich Fantasy schreibe, bleibt der werte Toilettengang bei mir auch auf der Strecke. Aber in meinem mehr oder weniger realistischen Mammut-Werk gibt es tatsächlich Szenen, die im Badezimmer spielen: ein Gespräch beim Zähneputzen, gemeinsames Baden mit der kleinen Schwester, ich glaube, irgendwann sitzt sogar mal jemand auf dem Klo. Natürlich dient es hier aber auch einem höheren Zweck: warum sollen sich zwei Brüder nicht beim Zähneputzen unterhalten? Immer unterm Sternenhimmel ist auf die Dauer ja auch langweilig.
      Bezogen auf andere unangenehme Erscheinungen bin ich aber nicht besser als die meisten Schriftsteller. Man niest eben nur dann im falschen Augenblick, wenn man entdeckt werden soll. Man bekommt nur dann eine schwere Grippe, wenn man gehandicapt sein soll. So ist das … Aber vielleicht schreibe ich beizeiten mal eine Kurzgeschichte, die die Langeweile beschreibt, die man mit 39 Fieber im Bett empfindet 🙂

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