Flüchtlinge

Für gewöhnlich halte ich mich bei politischen Themen sehr zurück, aber manchmal kommt man um ein Statement nicht drum herum, vor allem dann nicht, wenn ein politisches Problem zu einem ethischen, menschlichen Problem wird.

Vorweg: Es ist mir unbegreiflich, wie ein erwachsener Mensch auf die Idee kommen kann, auf ein kleines Kind zu urinieren. Ich frage mich, ob diesem Menschen bewusst ist, dass seine Tat im schlimmsten Fall ein ewig nachhängendes Trauma der Erniedrigung ausgelöst hat und ich wünsche den Kindern, dass sie gar nicht richtig begriffen haben, was da mit ihnen passiert ist. Ich wünsche diesen Kindern, dass sie vergessen oder verarbeiten (!) können, was man ihnen aus Dummheit und Ignoranz angetan hat.

Da kommen nun also Menschen, die ihre Heimat, geliebte Familienmitglieder, Haustiere, weltliche Besitztümer, vielleicht ihren Glauben verloren haben – Dinge, die für sehr viele andere Menschen Selbstverständlichkeiten sind – und der besorgte Bürger hat nichts eiligeres zu tun, als die zur Verfügung gestellten Schlupfwinkel auszuräuchern. Bravo. Großartig. Nur weiter so – ihr bietet den Autoren Stoff, den sich sonst nur die Horror- und Thriller-Schreiber ausdenken können.

Erinnern sie sich an den österreichischen Fritzl – das Mitgefühl mit den jahrelang eingesperrten und sexuell missbrauchten Mädchen war damals ziemlich groß. Erinnern wir uns an die Opfer verschiedener Amokläufe – hunderte Blumen, traurige Internet-Kommentare, das volle Programm. Oder der Flugzeugabsturz – Diskussionen über Suizid, Trauer um die gestorbenen Passagiere.

Diese Menschen sind tot, aber man hat ihnen Respekt gezollt.

Die Flüchtlinge sind noch am Leben. Sie haben viel verloren und aufgeben müssen. Unter teils menschenunwürdigen Bedingungen in einer Umgebung, in der sie kaum die Amtssprache verstehen. Traumatisierte Kinder, überforderte Eltern, Trauernde, Hilfesuchende, misshandelte Menschen – und der besorgte Bürger holt seinen Penis heraus. Wie kann man den Toten mehr Respekt zollen als den Lebenden?

Bestimmt findet irgendjemand von Ihnen an dieser Argumentation einen Haken. Nur zu. Das hier ist mein Blog und ich kann schreiben, was ich möchte.

Was im Moment abgeht, ist schlimmer, als ich es mir für ein Buch ausdenken könnte. Ich ziehe meinen Hut vor den Freiwilligen in allen Ländern, die an Bahnhöfen stehen und frisches Wasser und Nahrungsmittel und Spielzeug für die Ankommenden bereithalten. Ich ziehe meinen Hut vor den Spendern, die mit Windeln, Nahrungsmitteln und moralischem Beistand in die Flüchtlingsheime gehen.

Zum Abschluss ein paar Verweise: auf die Kommentare von Oliver Kalkhofe und Joko & Klaas, auf den Hashtag #mundaufmachen und auf Schrei nach Liebe von den Ärzten.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s