Alles zugleich oder doch lieber Nichtstun?

Eigentlich habe ich ja mal wieder gar keine Zeit für diesen Artikel. Ich muss schließlich lesen. Ah, und Schreiben. Am besten beides gleichzeitig. (Und eigentlich müsste ich auch einkaufen gehen, aber das hier zu erwähnen würde den Witz kaputt machen.)

Um es mit den Worten einer ehemaligen Lehrerin zu sagen: Leude, es kotzt mich an.

Ein guter Schriftsteller liest viel und schreibt viel, er entwickelt Routinen und kennt sich in allen Genres ein bisschen aus, schreibt nur über Dinge, die er kennt, er geht gern spazieren, er kennt möglichst viele Leute, er liebt nichts so sehr wie seine Romane, er hütet eifersüchtig jede seiner Ideen und zu guter Letzt trägt er ausschließlich rote Unterwäsche.

Mei-ne Fres-se.

Habe ich schon erwähnt, dass ich all diese Schriftsteller-Klischees hasse? All diese gut gemeinten Hinweise, was man können, mögen, machen sollte? Habe ich bestimmt, ebenso wie meine Begründung dafür: Jeder von uns ist individuell und es gibt nun einmal kein Gesamtkonzept, keinen Masterplan, keine Schablone. Also gibt es auch bei mir kein Ich lese immer noch viel zu wenig und kein Ich versuche krampfhaft, jeden Tag zu schreiben, auch wenn nur der allergrößte Schund dabei herauskommen kann, weil ich einfach keinen Kopf für Kindesmisshandlung habe, wenn meine beste Freundin in wenigen Tagen Geburtstag hat und ich mich um ihr Geschenk kümmere.

Wenn ich jede freie Sekunde in der Bahn mit Lesen verbrächte, könnte ich ja keine Menschen mehr beobachten. Wo bliebe meine Erfahrung, einen Menschen fröhlich zu machen, wenn ich statt eines Geschenkes nur das nächste Kapitel plante?

Ich komme mir beinahe blöd vor, dass alles aufzuschreiben, denn es klingt für mich so selbstverständlich. Klar gibt es viele nützliche Hinweise, Anfängertipps, das ganze Klimbim. Und klar ist Routine gut und wichtig (vor allem für Mammuts), und klar bildet Lesen in vielerlei Hinsicht (Rechtschreibung, Stil, Zeug). Und jaaaa, ich lese gern und ich lese recht viel (zumal ich ziemlich schnell bin dabei), und ich finde es absolut gut, seine Kinder dazu zu animieren – aber Leude, es kotzt mich an.

Wenn ich dann doch wieder höre oder lese, dass jemand sich unter Druck setzt oder von sich sagt, er lese zu wenig, obwohl er täglich vier Bücher in der Handtasche mit sich rumschleppt (alle Beispiele sind frei erfunden und nicht auf bestimmte Personen bezogen, auch wenn sich sicher der eine oder andere angesprochen fühlt, wie das ja bei Beispielen so sein sollte) … – lassen wir das mal so stehen. Ich hab vergessen, wie der Satz weitergehen sollte.

IMMER und ÜBERALL ist schlechterdings unmöglich und für einen Hobbyautoren meiner Meinung nach auch zu hoch gegriffen. Ich finde es genauso wichtig, seine Umgebung zu beobachten, oder eben den Schriftsteller mal an den inneren Nagel zu hängen und einfach nur Freundin, Tochter, Schwester oder wer-weiß-was zu sein.

Im Grunde wissen Sie das vermutlich alles längst, denn so oder so ähnlich habe ich vermutlich alles schon mal gesagt. Trotzdem war es mir ein Bedürfnis, es nochmal kundzutun. Weil eben – Leude, es kotzt mich an.

(Mit der richtigen Betonung ist dieser Satz ein Knüller!)

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