Zerpflückt

Ich bin ja so der Typ, der gern hinterfragt, was er tut, und der dann oftmals zu der Entscheidung kommt, dass bestimmte Dinge eigentlich total doof sind, was mich dann aber nicht daran hindert, diese Dinge trotzdem zu tun. Es ist zum Beispiel sinnlos, sich mit Schildkröten zu unterhalten, weil diese Tiere nämlich wahrscheinlich nicht sozial sind (man könnte auch sagen: es interessiert sie eine Scheiß, was ihr Menschling zu sagen hat), aber ich mache es trotzdem. Vielleicht merken sie sich ja zumindest meine Stimme.

Von ähnlicher Machart sind meine Beweggründe für das Schreiben von Rezensionen – irgendwo da draußen gibt es vielleicht tatsächlich jemanden, der sich das gern durchlesen und daraufhin für oder gegen den Kauf eines Buchs / Films / Spiels entscheiden möchte. Im Grunde meines Herzens mag ich das Schreiben von Rezensionen aber nicht.

Zuerst einmal finde ich es schwierig, etwas zu bewerten, ohne allzu viel vom Inhalt zu verraten. Andererseits sollte in einer Kritik aber auch ein bisschen was vom Wesentlichen bei rumkommen, wenn Sie verstehen, was ich meine. Diesem Konflikt versuche ich meistens durch einen Kompromiss aus dem Weg zu gehen, indem ich so eine Art Klappentexte verfasse, wenn es ans Rezensieren geht.

Mein zweites Problem mit der Sache ist das Zerpflücken von Werken.

Lassen Sie mich dazu eine Anekdote erzählen (ja, ich mag dieses Wort!): In der zehnten Klasse durften wir (die Schüler meiner Klasse) verschiedene Bücher vorstellen und eines davon wurde dann demokratisch gewählt, um von allen gelesen und behandelt zu werden. Ich hatte mir schon überlegt, rotzfrech den Herrn der Ringe vorzustellen (und damit allen anderen die Lektüre von über tausend Seiten in einer oder zwei Wochen zuzumuten), als meine Schwester mir davon abriet. In der Schule wird dein Lieblingsbuch zerpflückt werden, bis es nicht mehr dein Lieblingsbuch ist, sagte sie sinngemäß. (Während ich das schreibe, bin ich nicht mehr sicher, ob es wirklich HdR war – aber darauf kommt es auch nicht an.)

Natürlich erfordert eine Rezension von mir keine genaue Analyse eines Gesprächs und ich muss auch kein Charakterprofil erstellen oder Redeanteile ausrechnen. Aber das Grundgefühl ist dasselbe. Irgendwie nimmt eine Rezension dem Werk – sei es Buch oder Film oder sonstwas – seine Seele, um es mal ganz, ganz pathetisch auszudrücken. Der Verfasser ist gezwungen, sich auf eine rationale Ebene zu begeben, um das Werk möglichst objektiv bewerten zu können. Und genau da liegt eben der Hase im Pfeffer begraben. Wenn ich ein Buch richtig gut fand, will ich es danach nicht derart auseinandernehmen, dass ich einen für Sie interessanten Text schreiben könnte, der mehr als nur Ich find’s geil aussagen würde.

Daher an dieser Stelle mal ein Buchtipp, auch wenn ich wohl keine Rezension mehr dazu schreiben werde: Luca Di Fulvios »Das Kind, das nachts die Sonne fand«. Ich für meinen Teil habe es verschlungen.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s