Menschenwesen

Im Zug, in der Straßenbahn, im Zoo, auf dem Bürgersteig – überall können einem skurrile und außergewöhnliche Menschen über den Weg laufen. Ich beobachte ganz gern, wer so um mich herum ist, und kann mir manchmal ein herzhaftes Lachen oder ein fassungsloses Kopfschütteln kaum verkneifen. An dieser Stelle möchte ich mich aber nicht über seltsame Kleidungstrends auslassen – da würde ich aus dem Staunen und Murren nicht mehr herauskommen.

So ganz allgemein betrachtet laufen einem in der Stadt ja immer mal sonderbare Gestalten über den Weg. In Berlin zum Beispiel sah ich eine Frau, deren Haare noch mit Alufolie geschmückt waren – offenbar ließ sie gerade die Farbe einwirken. Viel interessanter wird es aber, wenn man die Menschen in seiner Umgebung über einen längeren Zeitraum beobachtet oder ein bisschen ihren Gesprächen lauscht.

Szene Eins: Wie viele Frauen mit Kinderwagen ich schon in den Straßenbahnen gesehen habe, die das nörgelnde Kind einfach ignorierten und gelassen auf dem Smartphone tippten, weiß ich nicht. Ich habe aufgehört, mich darüber zu wundern, dass es dermaßen desinteressierte Mütter gibt (natürlich kann es auch mal wichtig sein, aber dann würde Frau Mama vielleicht nicht mit einem gelangweilten Hm auf ihr Kind reagieren, während sie ebenso gelangweilt auf den Bildschirm starrt. Sie verstehen mich.)

Szene Zwei: Das Phänomen, dass sich Menschen in der Straßenbahn oder im Zug nur unter ganz bestimmten Umständen neben einen anderen, fremden Menschen setzten. Viele Fahrgäste bleiben tatsächlich lieber mehrere Minuten stehen, wenn es keine freie Sitzgruppe mehr gibt. Warum ist das so? Okay, neben den Nazi von gestern hätte ich mich auch nicht setzen wollen (der Mann hatte tatsächlich ein Hakenkreuz auf den Unterarm tätowiert) und der nach Feierabend-Alkohol riechende Bauarbeiter wäre jetzt auch nicht meine erste Wahl. Aber neben einen (sauberen) jungen Mann oder eine ältere Dame? Wo ist das Problem?

Szene Drei: Ich muss das erzählen. Heute (heute ist Freitag) früh – gegen halb 10 – in der Straßenbahn. Der Tag ist nicht wichtig, die Zeit dagegen schon. Eine Mutter mit ihrem etwa dreijährigen Sohn steigt ein. Sie trägt sein Laufrad, er ein großes Eis. So eins aus der Kühlbox im Supermarkt, mit Waffel und Schokosplittern obenauf (ich darf ja die Marke nicht nennen, aber sie beginnt mit C – dann wissen Sie, welches Eis ich meine).

Äh … also, nicht nur, dass man mit einem Eis nicht in die Straßenbahn darf. Die ältere Dame, die dem kleinen Jungen gegenübersaß, schaute schon immer wieder pikiert auf ihren Rock und ihre Schuhe, als wolle das Kind ihr das Eis gleich in den Schoß werfen. Aber was mich wirklich etwas fassungslos zurückließ, war die Uhrzeit. Okay, okay, als jemand, der keine Kinder hat, halte ich mich mit jeglicher Kritik zurück. Aber ernsthaft – ein dreijähriges Kind, morgens um halb zehn mit einem großen Eis in der Hand?!

Szene Vier: Menschen, die mit einem Instrument unterwegs sind, werden grundsätzlich angestarrt. Sie sollten das mal erleben, wenn man mit jemandem unterwegs ist, der einen Kontrabass mit sich herumträgt …

Szene Fünf: Ich hatte schon viele herzhafte Momente an Supermarktkassen. Wenn man regelmäßig ein-, zweimal die Woche in seinem Stamm-Supermarkt einkauft, kennen einen die Kassiererinnen irgendwann und ein Schönes Wochenende klingt dann gleich viel ehrlicher. Letztens bin ich sogar mal mit meinem Freund zusammen an einen jungen Mann geraten, der an Coolness kaum noch zu überbieten war. Er hat mir die Waren einzeln direkt in die Hand gegeben, nachdem ich eine Bemerkung machte, die etwa so klang: Niemand ist schneller als Kassierer an Supermarktkassen. Da kommt man mit dem Einräumen einfach nicht hinterher. (Naja, so ähnlich.) Der Typ hatte einfach Spaß an seiner Arbeit.

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