Heut ist ein wunderschöner Tag

Stellen Sie sich eine kleine, ziemlich moderne Kirche ohne Turm vor – ein viereckiger Raum, hohe Fenster an den Seiten, einige Stuhlreihen, vorn ein kleiner Altar, eine kleine Orgel. Auf dem Taufstein steht ein Blumenstrauß, gegenüber der Orgel ein transportables E-Piano, dazwischen drei Stuhlreihen. Das zahlreich erschiene Publikum sitzt in gespannter Erwartung, es hält den Atem an – okay, streichen Sie das mit dem Atem.

Es betreten die Bühne: der Herr Konzertmeister Frithjof Eydam (Titel variabel), der Pianist Daniel Schreiber (der sich fürs erste in die letzte Reihe setzt) und die Damen des Friedrich-Silcher-Chores (in schwarz-weiß, mit rotem Tuch). Das Publikum klatscht begeistert. Auf der Empore steht der Kameramann (der bleibt fürs erste anonym) und grinst.

Das Programm trägt den Titel – Sie ahnen es schon – Heut ist ein wunderschöner Tag. Zum Besten gegeben werden Volkslieder (zum Beispiel Heidenröslein), andere Lieder (Brahms würde ich nicht als Volksliedschreiber bezeichnen), Gedichte (Goethes Veilchen war dabei) und zwei Klavierstücke aus dem Wohltemperierten Klavier von Bach. Und – aber lassen Sie mich erst bemerken, dass ich in zwei Stücken als Vorsängerin (und damit Solistin) fungieren durfte.

Im zweiten Teil des Konzertes kommt der Pianist ins Spiel (ha, welch Wortspiel). Die Kantate Silvesternacht – für Solo-Sopran, Frauenchor und Klavier wurde von Frithjof Eydam (*1985) komponiert und ist dem FSC gewidmet. Als Textgrundlage dient das gleichnamige Gedicht von Theodor Fontane (das natürlich nicht für Sopran und Chor ist). Es geht um den Brauch, in der Silvesternacht den Tisch für den noch unbekannten zukünftigen Ehemann zu decken – der sich im Falle des vorgestellten Mädchens als der Tod herausstellt. Übrigens durfte ich auch hier den Solo-Part übernehmen.

Tja … was soll ich sagen? Trotz einiger Patzer war es ein sehr schönes Konzert – ich sang nicht zum ersten Mal in der Gesundbrunnenkirche (der Chor an sich war dort wohl schon das zehnte Jahr in Folge zu Gast), und wenn die Akustik auch etwas undankbar ist, so fühlt sich der Raum doch vertraut an. Das Publikum hat stehend applaudiert, das Konfetti flog bis vor zur Straße und der Kameramann ist vor Begeisterung fast von der Empore gefallen.

Naja, also so ähnlich. Konfetti gab’s natürlich keins, und der Kameramann hatte sich auch gut unter Kontrolle, und das Publikum hat sich auch nicht erhoben, aber es hat applaudiert. Und ein bisschen Geld gespendet, was nun mal auch nicht zu verachten ist.

Für die ganz Neugierigen: Das Konzert war übrigens am vergangenen Sonntag, dem 28. Juni 2015, in der Gesundbrunnenkirche zu Halle (Saale). Der Friedrich-Silcher-Chor besteht (im Moment) ausschließlich aus Frauen und wird von bereits erwähntem Frithjof Eydam musikalisch geleitet. Neue (weibliche) Mitglieder sind herzlich willkommen (es wird immer wieder betont und soll deswegen auch hier stehen: Sie brauchen nicht vorzusingen)! Gesungen werden Volkslieder, Chormusik des 20. Jahrhunderts und manchmal Stücke, die Herr Eydam eigens für den Chor komponiert. Die zumeist älteren Damen (also die nächst-jüngste ist wohl so um die zwanzig Jahre älter als ich) sind (ebenfalls zumeist) sehr herzlich und mit Begeisterung bei der Sache. Die Leitung ist niveauvoll, aber machbar (ich bin ja auch nur Laie).

Bei den Terminen können Sie übrigens alle anstehenden Konzerte des Chores einsehen.

Und nun entschuldigen Sie mich bitte – ich muss noch üben …

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