Thema der Zeit im Wind II

Bange Erwartungen dehnen sich bis an den Rand der Schmerzgrenze aus, heiterer Frohsinn ist gar so schnell vorüber. Das Ticken der Zeiger ist ein grausames Geräusch, denn es entspricht eigentlich nie unserem Gemüt.

Okay, das klingt wie das säuselnde Geplapper eines Großvaters, der in einer schattigen Ecke des Wohnzimmers im Schaukelstuhl sitzt, ab und zu an seiner Pfeife zieht und Löcher in die Luft starrt. Es klingt melodramatisch, überzogen und gleichzeitig wie das Greinen eines Kindes.

Was auch melodramatisch klingt.

0044 uhr

Wie es aussieht, habe ich gerade eine sehr überzogene Phase.

Macht aber nichts, weil man beim Thema Zeit ruhig mal ein bisschen in Senilität schwelgen kann – wie der Studenten, der sich sehnsüchtig an seine Schulzeit erinnert, als das mit den Hausaufgaben noch alles halb so wild war (im Nachhinein betrachtet), wie der kleine Junge im Kindergarten, der sich sehnsüchtig nach dem Arbeitsleben eines Erwachsenen erkundigt und die alt gewordene Oma, die vor dem abgeschalteten Fernseher sitzt und sich an eine Zeit erinnert, in der ihre Augen noch zum Lesen getaugt haben.

Wir sind uns wohl alle einig, dass Zeit etwas sehr relatives ist. Manchmal würden wir sie gern vorspulen (ach sei der große Tag nur schon heran), manchmal zurück (oh, dies Spiel würd ich so gern noch einmal das erste Mal spielen). Ab und zu sind wir mit dem Lauf der Dinge ganz zufrieden, aber auch dann schauen wir oft genug auf die Uhr, um zu sehen, ob es schon Zeit für den Friseurbesuch ist oder ob eine Folge der Lieblingsserie noch drin ist.

Manchmal verschwenden wir Zeit – mit sieben Folgen der Lieblingsserien hintereinander – und fühlen uns dabei wohl, manchmal verlieren wir uns ebenso verschwenderisch in einem Gespräch und stellen anschließend erschrocken fest, dass wir den Braten im Ofen vergessen haben. So ist das. Zehn Minuten können guten Gewissens dreißig Minuten zu lang sein, und zehn Minuten können fünf Minuten zu lang sein und nach verbranntem Fleisch riechen.

Können Sie mir noch folgen?

Ich bin ein Mensch, der sehr oft auf die Uhr schaut, und irgendwie ist es immer zu spät. Oh, schon elf, Zeit, aufzustehen. Oh, schon zwei, Zeit, was zu essen. Oh, schon so spät, schon sechs. Und oh, schon wieder so spät ins Bett gegangen – nennen wir hier einmal keine Uhrzeit. Das ist so ein Phänomen.

Und obwohl ich so oft auf die Uhr gucke, habe ich immer noch keine einheitliche Zeit für das Schreiben und Veröffentlichen meiner Texte auf diesem Blog. Tja, so ist das manchmal.

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2 Antworten auf “Thema der Zeit im Wind II”

  1. Dass du ständig auf die Uhr schaust und dann sagst, dass es viel zu spät ist, kenne ich auch von mir. Und dann frage ich mich immer, ob es denn wirklich so wichtig ist, sich an Zeiten zu halten, wenn man eigentlich alle Zeit der Welt hat (zum Beispiel am Wochenende oder im Urlaub)? Bisher konnte ich mir diese Frage noch nicht beantworten.^^

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