Vom freundlichen Klempner

So ein netter kleiner Wasserschaden in der Wohnung ist gemeinhin ja ziemlich scheiße. Wenn nicht gerade der Boden unter einer dreißig Zentimeter tiefen Baggerseeatmosphäre verschwunden ist, kann man damit im günstigsten Fall aber wohlbehalten weiterleben. Und wenn es sich nur um ein tropfendes Heizungsrohr und einen langsam größer werdenden Fleck unter der Decke handelt, kann man die Sache zum Glück noch mit einem Na toll abtun und den Vermieter anrufen.

Naja, zumindest könnte man den anrufen, wenn der denn abends um Neun noch erreichbar wäre. So muss also der Notdienst der Wohngesellschaft herhalten. Ja, bitte, hier tropft ein Rohr und der Fleck unter der Decke wird langsam größer. Nein, die obrigen Nachbarn sehen nix bei sich.

Normalerweise würde Sie das nicht tangieren und ich bräuchte Ihnen nicht vorzujammern, wie ätzend es sei, am späten Abend (ja, wenn es dunkel ist, ist es spät!) noch einen Klempner rufen zu müssen. Ich würde Ihnen die an sich recht banale Story auch nicht erzählen, wenn es nicht eine Sache gäbe, die mich lachen ließ – der Klempner.

Ich habe keine Ahnung, wie der junge Mann hieß, also nennen wir ihn einfach Mario, weil ich mir diesen Witz nicht verkneifen kann. Mario war maximal dreißig, eher fünfundzwanzig. Kam in blauer Latzhose und mit nach hinten gedrehtem Käppi in den vierten Stock hinauf, ohne zu schnaufen (und sie schnaufen fast alle), den Autoschlüssel in der Hand und den schwarzen, etwas mitgenommenen Rucksack lässig auf der Schulter. Stand dann vor der Tür, um uns mit einem fröhlichen Hallo zu begrüßen.

Ganz ehrlich – so einen Menschen lasse ich gern in meine Wohnung, damit er sich Wasserflecken an der Decke anschauen kann. Ich hatte schon den einen oder anderen Handwerker hier, zwei haben sich danebenbenommen und andere waren sehr freundlich, aber dieser Klempner Mario war eine ganz eigene Nummer. Er wirkte nicht genervt, nicht hektisch, nicht aufdringlich (wie der eine oder andere Maler) – er kam, besah den Schaden, ging eine Etage höher, kam wieder runter und lieferte eine Erklärung für das Problem (Ursache ist wohl ein defekter Badewannenablauf). Das Ganze mit einem leichten, sympathischen ch-Sprachfehler, dem umgedrehten Käppi und einer freundlichen, fröhlichen Art, die zu sagen scheint: Hey, ich mach meinen Job auch abends um zehn noch gern.

Und was will ich noch mehr?

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