Über das Schreiben – Teil II

Ein angehender Jungautor wird auf der Suche nach Ratschlägen über das Schreiben vor allem zu hören bekommen, dass es Arbeit sei.

Nun, das ist richtig. Es war nicht leicht, sprechen zu lernen, in meinem ersten Lebensjahr konnte ich kaum ein Wort! Man stelle sich vor! (Im Übrigen habe ich keine Ahnung, wann ich angefangen habe zu sprechen).

Spaß beiseite – es erfordert tatsächlich oft Konzentration und Durchhaltevermögen, einen Roman schreiben zu wollen, und es erfordert ebenso Konzentration und Geschick, ein gutes Gedicht zuwege zu bringen. Recherche kann unglaublich mühselig sein, je nachdem, in welchem Themengebiet man herumstochert. Ebenso sollte der geneigte Schriftsteller sich in Kritikfähigkeit üben und lernen, die eigenen Ansprüche richtig einzuschätzen, sonst kommt man aus dem Kreislauf der Überarbeitung kaum noch heraus (als jemand, der fast alle Manuskripte mehrmals schreibt, kenne ich mich da aus).

Okay, Schreiben ist also Arbeit. Streng genommen ja schon durch die Tatsache, dass wir unsere Finger und Arme bewegen, sowie unsere grauen Zellen in Anspruch nehmen müssen.

Aber diese Aussage, dass das Schreiben manchmal Arbeit sei, hat einen üblen Nachgeschmack von etwas Schlechtem, der mir nicht recht gefallen mag. Arbeit muss nicht immer, darf aber durchaus Spaß machen – und mancher, der seinen Traumberuf gefunden hat, wird davon ein Liedchen pfeifen können.

Natürlich sitze ich manchmal vor dem Bildschirm und bastle an vier Sätzen herum, die einfach nicht zusammenpassen wollen. Natürlich fällt es mir manchmal schwer, die richtige Stimmung zu erwischen und dann schwitze ich hier vor mich hin, obwohl draußen Schnee fällt. Natürlich kann ich Recherche nicht leiden und muss sie manchmal dennoch betreiben.

Kurzer Exkurs: Ich erinnere mich, dass ich so mit zwölf, dreizehn Jahren oft mit einem Mädchen aus dem Dorf gespielt habe. So richtig im Garten, mit Du bist Drachenzahn und Ich bin Sonnenblume und so. Zwischendurch erfolgten Absprachen über den weiteren Spielverlauf, und um das zu unterstreichen benutzten wir die Formel Aus Spaß. Etwa so: Wollen wir machen, dass du dir das Bein brichst, so aus Spaß?

Sich etwas auszudenken, und sei es noch hanebüchen oder gar brutal, war immer aus Spaß.

Das könnte man zur Philosophie machen (ich tue es nicht) – Ich schreibe aus Spaß. Ich nehme Mühen auf mich (früher die Suche nach dem geeigneten Stock, um Schwerter zu simulieren, heute die Suche nach der Zusammensetzung von echten Schwertern) und ich opfere Zeit.

Dazu gehört auch: Wenn ich keine Zeit habe, weil ein Chorkonzert ansteht und ich Besuch bekomme, schreibe ich nicht. Ich halte wenig davon, meine Wörter zu zählen und mir ein Tages- oder Wochen-Limit zu setzen (auch wenn es empfohlen wird). Manchmal muss man den Spaß eben unterbrechen, weil es Mittagessen gibt.

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