Schwarz-Weiß

Überdenken Sie bitte einmal folgenden Satz:

Mir gegenüber saß ein großer Schwarzer, der eine grüne Wollmütze trug und mich neugierig musterte.

Mal davon abgesehen, dass das jetzt kein besonders filigraner Satz ist – fällt Ihnen etwas auf? Ich werde Ihnen einen zweiten Satz geben, der fast genauso lautet:

Mir gegenüber saß ein großer Weißer, der eine grüne Wollmütze trug und mich neugierig musterte.

Beim Durchlesen eines eigenen Textes merkte ich, dass sich meine Figuren in einer eindeutig von weißer Hautfarbe besiedelten Gegend befinden müssen, denn Schwarz-Sein wird explizit erwähnt, Weiß-Sein hingegen nicht. Vermutlich könnte es auch den umgekehrten Fall geben, wenn sich meine Figuren in Zentralafrika tummeln würden.

Interessanterweise halte ich also nur jene Hautfarbe für erwähnenswert, die nicht der großen Masse entspricht. Obwohl es in der Geschichte verschiedene Nationalitäten gibt und ich mich bemühe, die Bemerkung Er ist schwarz so beiläufig wie möglich fallen zu lassen, werde ich den Beigeschmack der Diskriminierung nicht los.

Die Lösung des Problems wäre, auch weiße Haut explizit zu erwähnen – aber das scheint alles irgendwie nur noch schlimmer zu machen, denn man wirft damit erst recht die Frage auf, ob es sich bei der Beschreibung einer Hautfarbe nun um einen Akt der Böswilligkeit handelt oder nicht. Dann kann man das Thema plötzlich ausweiten – ist es erlaubt, die Mandelaugen von Joseph mit dem Down-Syndrom zu erwähnen, sollte man klar machen, dass es sich bei Mira um eine Asiatin handelt, darf man Tony deutlich als Christen betiteln?

Ja.

Die Beschreibung schwarzer Haut in einer nun einmal von Weißen dominierten Gegend ist ebenso wenig rassistisch wie die ausdrückliche Feststellung, dass Peter keinerlei Symptome einer Krankheit aufweist, obwohl er im Krankenhaus liegt – schwarz ist demnach zwar durchaus ein Ausdruck der Andersartigkeit, aber eben nur in Bezug auf eine faktische Tatsache, die im Kontext der Geschichte relevant und außerordentlich ist.

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2 Antworten auf “Schwarz-Weiß”

  1. Du könntest natülich auch schwarz einfach umschreiben mit dunkel oder Kaffeebraun, Schwarz wie die Nacht oder Südseetyp, nubisch, „Im Schatten eines Baumes liegend ist er von der Umgebung gar nicht mehr zu unterscheiden“^^. Oder du gehst über den Klassischen Schwarzenberuf ran, Baumwollarbeiter, Kesselhausheizer, Schornsteinfeger, Wilder, Kannibale. usw. Oder du beschreibst ihn nur teilweise als schwarz, wenn dir beispielsweise seine großen schwarzen Hände auffallen suggeriert das schon das der Man auch komplett schwarz sein könnte.

    Hoi hoi

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    1. Es ging ja hier weniger um den Begriff “schwarz”, sondern um die Darstellung einer anderen Hautfarbe an sich. Der Möglichkeiten zur Beschreibung gibt es viele (auch elegantere als “er ist schwarz”).
      Die Bezeichnung “kaffeebraun” mag ich persönlich überhaupt nicht. Und den Satz mit den “klassischen Schwarzenberufen” meinst du nicht ernst!

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