Geschichten, die das Leben schreibt

Es gibt Erlebnisse im Leben, die sich kein Autor besser ausdenken könnte. Ehrlich, das ist so. Der Schriftsteller kann diese Erlebnisse nehmen, etwas umformen und in seine Geschichte einbauen, und mancher Begnadeter kann aus einem Erlebnis auch eine neue Szene schaffen – aber die Inspiration kommt aus dem, was er sehen, schmecken, hören, riechen kann.

Ich käme nicht einfach so auf die Idee, einen Gottesdienst zu beschreiben, in welchem unvermittelt ein Handy klingelt – und zwar das der jungen Dame, die gerade das Evangelium liest. Und selbst wenn, so würde sie in meinem Buch vermutlich beschämt das Handy herausziehen, es ausschalten und dann weiterlesen, aber sie würde nicht das Handy rausnehmen, es der Pastorin reichen und dabei ungerührt und ohne sich zu verhaspeln weiterlesen. (Ich habe die Geschichte ein klein wenig verfälscht und ich sage selbstverständlich nicht, wo und wann ich das erlebte.)

Wenn ich Bücher von diesem amerikanischen Autor lese (Sie wissen schon, diesem tollen …), dann frage ich mich manchmal, ob es solche komischen Aufkleber – all dieses Jesus-liebt-dich-Zeug – auf den Autos wirklich in so großer Anzahl gibt, wie er es mir weismachen will. Und dann laufe ich durch Halle und sehe an so vielen Autos Aufkleber mit der Aufschrift Baby on Bord und denke, dass der gute olle Master of Horror schon irgendwie recht haben wird.

Um noch ein drittes Beispiel zu nennen: Mein Freund hat es sich zur Angewohnheit gemacht, mir ab und zu Links zu interessanten journalistischen Artikeln im Internet zu schicken, die sich in vielen Fällen mit gefassten Bösewichten oder seltsamen Gerichtsurteilen befassen. Dann bin ich immer wieder erstaunt, zu was der Mensch fähig ist – und ich stelle mit einigem Erschrecken fest, dass all die Grausamkeit, die in meinen eigenen Manuskripten zuweilen auftaucht, sich in der Realität wiederfindet (und, da mache ich mir nichts vor, natürlich auch dort ihren Ursprung hat).

So ist das mit der Inspiration. Ein Jeder nimmt, was er kriegen kann, und ab und zu wird der werte Autor dann mit einem Gedanken belohnt, von dem er glaubt, dass jener ganz und gar aus ihm selbst käme – und das, lieber Leser, ist doch ein schönes Geschenk.

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5 Antworten auf “Geschichten, die das Leben schreibt”

  1. Ich habbe vor einiger Zeit auch eine merkwürdige Begebenheit, bei der man als junger Mensch nur den Kopf schütteln kann.
    Ich saß im Bus, während dieser links um eine Kreuzung fuhr. Von der linken Straßenseite ging ein älterer Herr rüber auf die rechte. Ich sollte wohl eher sagen, dass er schlich. Er schaute während seiner langsamen Schritte die ganze Zeit nach rechts (von sich aus betrachtet) und bemerkte das Auto auf seiner linken Seite nicht, dass schon geduldig auf ihn wartete. Als er sich dann umgedreht und mächtig erschreckt hat, habe ich seine Kopfhörer in den Ohren gesehen.
    Aber die Jugend von heute, nicht wahr?

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  2. Solche zufälligen Begebenheiten sind wirklich klasse. Einmal im Bus traf ich zwei ältere Damen, deren köstlicher Dialog bereits so einige Lacher auf meine Seite zog.
    „Marta! Gut siehst´e aus. Haste neue Knie? Neue Hüfte?“
    “ Letzte Woche hatte ich meine Hüftop.“
    „Hab ich ja gleich gesehen.“ 😀

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