Die Geschichte eines Schmuckstücks

Kann Spuren von Spoilern enthalten.

 

One Ring, to rule them all, One Ring to find them,

One Ring to bring them all and in the darkness bind them.

– JR.R. Tolkien »The Lord of the Rings«

Das ist so ein Film, den ich trotz meines miserablen Englischs manchmal ganz gern in der Originalsprache schaue, was ich tun kann, da ich die deutsche Sprachausgabe so ziemlich auswendig kann. Das ist so ein Film, den ich mindestens einmal im Jahr schaue, an jedem Abend vier Stunden – Erster Teil, Zweiter Teil, Dritter Teil. Das ist so ein Film, den ich manchmal im Hintergrund habe laufen lassen, während ich an dem einen oder anderen Manuskript geschrieben habe.

Das ist so ein Film, mit dem mittlerweile eine Menge Erinnerungen verbunden sind.

Um das von Anfang an klarzustellen: Ich bin absolut und total vernarrt in die Der-Herr-der-Ringe-Trilogie. Aber je öfter ich sie geschaut habe, desto mehr Kritikpunkte sind mir erstaunlicherweise aufgefallen. Mittlerweile gehe ich mit manchen Meinungen, die ich im Laufe der Zeit so gehört habe, mit, wohingegen ich anderen widersprechen muss, eben weil ich so vernarrt bin.

 

Der Herr der Ringe – Die Gefährten

Regie – Peter Jackson

Originalsprache – Englisch

Erscheinungsjahr – 2001

Länge – Extended Version (DVD) ca. 218 Minuten

Besetzung – Elijah Wood, Ian McKellen, Viggo Mortensen

 

Der Herr der Ringe – Die Zwei Türme

Regie – Peter Jackson

Originalsprache – Englisch

Erscheinungsjahr – 2002

Länge – Extended Version (DVD) ca. 226 Minuten

Besetzung – Elijah Wood, Sean Astin, Ian McKellen

 

Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs

Regie – Peter Jackson

Originalsprache – Englisch

Erscheinungsjahr – 2003

Länge – Extended Version (DVD) ca. 252 Minuten

Besetzung – Elijah Wood, Sean Astin, Andy Serkis

 

Der Vorwurf, den ich wohl am häufigsten gehört habe, ist folgender: Es ist eine schlechte Buchverfilmung. Hm. Ja. Streng genommen.

Aber will ich denn eine Buchverfilmung, in der mir genau das vorgesetzt wird, was ich schon kenne? Hat ein Film nicht das Recht, die eine oder andere Szene auszuschmücken, etwas zu dramatisieren und Möglichkeiten zu nutzen, die es im Buch vielleicht nicht gibt? Doch, ich denke, das hat er.

Freilich gibt es einige Freiheiten, die Jackson sich rausgenommen hat, die ich auch nicht so prickelnd finde, beispielsweise der Ersatz von Glorfindel durch Arwen (Im Film wird Frodo von der im wahrsten Sinne des Wortes strahlenden Elbin vor der Verfolgung durch die Nazgûl nach Bruchtal gerettet. Im Buch treffen Aragorn und die Hobbits auf den elbischen Fürsten Glorfindel.) Auch die Liebesgeschichte zwischen Aragorn und Arwen ist im Film stark ausgebaut worden – zugunsten des Kitsches, ohne Zweifel.

Anderes sehe ich weniger problematisch. Der Verzicht auf die Geschichte um Tom Bombadil ist nicht weiter schädlich für das Verständnis der Handlung und die wichtigen Elemente (Schwerter für die Hobbits zum Beispiel) sind geschickt an anderer Stelle eingebaut.

Nun, würde ich alle drei Teile durchgehen, fände ich an jeder Ecke ein Detail, das im Buch anders dargestellt ist, oder vielleicht sogar gar nicht dargestellt ist. Aber ich finde auch Zitate, die so oder so ähnlich wörtlich aus den Seiten Tolkiens übernommen sind, nicht zuletzt die Worte auf dem Ring selbst.

Sieht man nun einmal vom Buch ab, finde ich eine Menge, was es sich zu erwähnen lohnt. Ich bin hingebungsvoll verliebt in das, was Jackson aus der Figur des Baumbarts gemacht hat. Mein Kopf ist voller Gimli-Zitate, dessen mürrisch-sarkastische Art mich jedes Mal aufs Neue zum Lachen bringt. Ich bin stolz drauf, nicht mehr vor Schreck zusammenzufahren, wenn Gandalf im ersten Teil sein Feuerwerk entzündet. Erwähnte ich schon, dass ich einen Großteil der Filme auswendig mitsprechen kann?

Aber.

Aragorn. Ich glaube, die tragende Rolle dieses im Buch eher zurückhaltenden Burschen wurmt mich tatsächlich ein bisschen. Er verliert etwas an Tiefe und wird zu einer allzu strahlenden Helden-Figur, die manchmal in ihrer ›Perfektheit‹ ein wenig auf die Nerven fällt, daran ändert auch ein Sturz von der Klippe nichts. Andere Figuren kommen darum zu kurz – Legolas‘ königliche Abstammung wird im Film nicht einmal explizit erwähnt.

Oh, und noch ein Wort zum jammernden Frodo. Jaha, er jammert viel, ich geb es ja zu. (Und jaha, ich habe auch schon Frodo-Szenen beim Filmschauen übersprungen deswegen). Und ja, verdammt, Sam ist die helfende Hand aus dem Hintergrund. Ja, er ist tatsächlich derjenige, der Frodo immer wieder einen Tritt in den Arsch gibt (die beiden reden sogar darüber). Das ist von Tolkien so beabsichtigt gewesen (zumindest unterstelle ich ihm das jetzt einfach mal) und die Figur des Sam ist (im Film) grandios dargestellt.

Und jetzt lassen Sie Frodo in Ruhe, der arme Kerl hat schließlich eine harte Zeit hinter sich.

So, und nun noch eine letzte Meinung, die nicht von mir stammt: Galadriel glitzert zu viel. Vielleicht tut sie das. Aber immerhin ist sie das reinste aller Lebewesen, da darf man schon mal aussehen wie frisch aus der Reinigung, finden Sie nicht?

Fazit: Prädikat Besonders Wertvoll. Einer dieser Filme, die man einfach gesehen haben muss. Ein Meisterwerk. Haben Sie jetzt wirklich etwas anderes von mir erwartet?

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