»Überschrift«

Vor einiger Zeit las ich ein Buch aus meiner Jugendzeit (sagte die Einundzwanzigjährige und lachte), dessen Titel und Autor unerheblich ist, weil das darin befindliche Phänomen auch an anderer Stelle schon auffiel. Sinngemäß stand da folgendes:

Max.Mustermann@internetanbieter.de

Daran stören mich gleich zwei Sachen – erstens schreibt man die Namen in E-Mai-Adressen in den seltensten Fällen groß. Sind die Textsetzer da zu faul, die Autokorrektur rückgängig zu machen? Aber na gut.

Das eigentlichen Problem ist: Es gibt meines Wissens nach keinen E-Mail-Anbieter, der Internetanbieter heißt. Warum kann da nicht hotmail oder gmail oder t-online oder irgendwas in der Richtung stehen? Warum scheut man sich, einen Namen zu nennen? Man könnte auch fragen: Was will uns der Autor damit sagen?

Gleiches gilt für Adressen, Telefonnummern oder Markennamen. In vielen Büchern werden solcherlei Angaben tatsächlich auffällig unauffällig vermieden. Für meinen Geschmack ist eine Telefonnummer, die eine Ziffer zu viel oder zu wenig auf der Hüfte hat, irgendwie stimmiger als eben gar keine Telefonnummer. Auch eine Adresse lässt sich entsprechend verfälschen (vielleicht auch mit einem kurzen Blick ins Internet, ob es die-und-die Straße in der-und-der Stadt überhaupt gibt).

Lese ich in einem Buch von einer Schmerztablette, ist das in Ordnung. Lese ich aber, dass der Typ Mit Der Schusswunde ein Aspirin nimmt, kommt mir das große Ganze noch besser vor. Wenn die Junge Frau sich zwischen Gut & Günstig und Coppenrath & Wiese entscheidet, fühle ich mich eher angesprochen. Wenn der Alte Mann Von Gegenüber einen Trabbi fährt, anstelle eines roten Autos … Sie verstehen, worauf ich hinauswill.

Wenn Sie jetzt eine Antwort auf die oben gestellte Frage nach der Scheu erwarten, muss ich Sie enttäuschen. Ich habe keine. Vielleicht bin ich dafür noch nicht lange genug im Geschäft. Ich kann Ihnen nur meine Empfindung mitteilen – und dass ich mich manchmal selbst dabei erwische, von einer Schmerztablette zu schreiben, weil die Marke gerade irgendwie nicht wichtig ist und der Phantasie überlassen werden kann. Solche Situationen gibt es. Ein andermal lasse ich dann eben doch lieber Paracetamol einnehmen.

Aber: Wenn ich einem Charakter eine E-Mai-Adresse gebe, wird sie immer bei hotmail oder gmail oder t-online oder sonst wem sein. Und nie bei diesem mysteriösen Internetanbieter.

 

17.05.2015

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