Über das Lesen

Hallo. Schön, dass Sie da sind. Schön, dass Sie sich die Zeit nehmen, ein bisschen zu lesen. Und schön ist auch, dass Sie lesen können – das ist keine Selbstverständlichkeit … aber das ist ein anderes Thema und soll ein andermal behandelt werden.

Wir haben uns hier getroffen, weil ich Ihnen erzählen möchte, dass ich gerne lese. Ich mag den Gedanken, dass ein Schriftsteller (oder jemand, der irgendwann einmal einer sein will), sich durch Lesen weiterentwickelt. Dementsprechend habe ich ein großes Vorbild, dessen Namen ich Ihnen aber ein andermal verrate (und wenn Sie ihn schon kennen, behalten Sie ihn bitte für sich. Wir wollen doch den anderen nicht den Spaß verderben, oder?). Aber beginnen wir doch am Anfang.

Es gibt Menschen, die können überall lesen. Im Bett, am Küchentisch, im Wartezimmer, im Bus, in der Straßenbahn und auf dem Fußweg zum Schwimmbad. Ich für meinen Teil steige ungefähr beim Bus aus (unter anderem, weil mir beim Lesen im Bus oder Auto meistens schlecht wird). Das Bett ist ein guter Ort für Lektüre, ebenso die Badewanne oder auch mal das Klo. Eine grüne Wiese, bestanden mit Bäumen voll singender Vögel (und bitte nur singend!), ist auch schön. Aber ein Gehweg, auf dem ich meine Aufmerksamkeit zwischen Buch und Umwelt aufteilen muss? Nein, danke.

Dem Wo folgt das Wie – nun, am besten von links nach rechts. Außer Mangas.010 buch

Wenn wir diesen Punkt geklärt haben, können wir uns nun dem Was zuwenden. Zuallererst: Ich lese fast ausschließlich Bücher, die ich besitze. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, ein Buch nach dem Lesen zurückgeben zu müssen. Warum das so ist, kann ich nicht so genau sagen. Vermutlich könnte man es als exzentrische Angewohnheit bezeichnen, was mich weniger stören würde als es sollte.

(Übrigens: Ich verleihe auch keine Bücher. Nur in Ausnahmefällen.)

Da sind nun also meine mittlerweile recht ansehnliche Reihe Stephen-King-Bücher, einige von mir so bezeichnete Klassiker, einige Fantasy-Romane (bei denen bin ich wählerisch), meine noch nicht einmal zur Hälfte vollständige Geburtstagsedition von Edgar-Wallace-Krimis, Erlebnisberichte realer Kindheiten, zu wenige Bücher von Jules Verne, ein Fast-Gesamtwerk von Poe … Langeweile ich Sie schon? Hach, es ist immer so schwierig, sich bei der Frage nach dem Was kurz zu fassen.

Nun, ich könnte Ihnen die Liste jener Bücher geben, die den Weg in meine persönliche Bibliothek gefunden haben, aber was würden Sie damit anfangen? Ich bin kein Literaturkritiker und ich will auch keiner sein. Ich lese, was mir gefällt, und manchmal auch Sachen, die mir nicht gefallen – einfach, weil man sie meiner bescheidenen Meinung nach ruhig gelesen haben kann.

Beim Lesen wie beim Schreiben fasziniert mich zugegebenermaßen das Gewalttätige, das Morbide, das Andersartige. Das, was jenseits meines Erfahrungsschatzes liegt. Somit bilden Bücher, die ich lesen kann, die Grundlage für Bücher, die ich schreiben kann. Denn: Fiktion ist die Abbildung einer anderen, möglichen oder unmöglichen, Wirklichkeit und gerade die eigene Sicht auf Wirklichkeit macht darum erst Fiktion möglich.

© 11. Mai 2015 by qp

 

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